Evidenz und Entscheidung: Eine semantische Innovation ‚Neuer Steuerung‘

Published on Jan 1, 2014
· DOI :10.1007/978-3-658-03734-5_6
Marcus Emmerich5
Estimated H-index: 5
(UZH: University of Zurich)
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Abstract
Im Zuge der politisch und administrativ angestrebten Umstellung des Steuerungsfokus im Bildungssystem auf Ergebnisorientierung und der Neuausrichtung der Systemsteuerung entlang der Prinzipien des New Public Management (NPM) ist ein erhohter Bedarf an wissenschaftlich abgesicherten Beobachtungstechnologien entstanden, die valide Daten uber relevante Systemvariablen bereitstellen und damit eine Grundlage steuerungspolitischen Entscheidungshandelns schaffen sollen. Mit der Einfuhrung von Bildungsstandards, Monitoringverfahren, internen und externen Schulevaluationen, Lernstandserhebungen usw. sind entsprechende Beobachtungsinstrumente implementiert worden. Der Begriff der Evidenz steht in diesem Zusammenhang fur die Idee, dass Entscheidungsprozesse auf politischer, administrativer und einzelschulischer Ebene sowie die padagogisch- professionelle Praxis an empirisch begrundbaren Wirksamkeitserwartungen (‚what works?‘) orientiert werden konnen. ‚Evidenz‘ bezeichnet im Organisationskontext entsprechend eine spezifische Form von Entscheidungspramissen, die das Versprechen beinhalten, Kontrolle uber die Kausalitatsbedingungen innerhalb des Erziehungssystems und somit gezielt Einfluss auf seine operativen Strukturen zu gewinnen.
References22
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#1Herbert Altrichter (Johannes Kepler University of Linz)H-Index: 25
#2Matthias Rürup (University of Wuppertal)H-Index: 5
Last. Claudia Schuchart (University of Wuppertal)H-Index: 9
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Die neue Phase der „Schulmodernisierung“, die wir in den deutschsprachigen Schulsystemen seit der ersten Halfte der 1990er Jahre erleben, hat mit einer Politik der „Schulautonomisierung“ bzw. der „Erhohung der einzelschulischen Gestaltungsspielraume“ begonnen (vgl. Altrichter & Heinrich 2007, S. 83ff.). Diese lapidare Aussage, der die meisten Beobachter/innen der Schulpolitik der letzten beiden Dekaden zustimmen konnen, wird jedoch komplexer, wenn man sich bewusst macht, dass die Erhohung einzel...
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Rezension von: Johannes Bellmann / Thomas Muller (Hrsg.): Wissen, was wirkt, Kritik evidenzbasierter Padagogik Wiesbaden: VS Verlag fur Sozialwissenschaften 2011 (280 S.; ISBN 978-3-531-17688; 26,99 EUR)
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#1Albrecht WackerH-Index: 3
#2Uwe MaierH-Index: 6
Last. Jochen WissingerH-Index: 6
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Rezension von: Herbert Altrichter/Katharina Maag Merki (Hrsg.): Handbuch Neue Steuerung im Schulsystem. VS Verlag fur Sozialwissenschaften, 2010, 467 S.
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#1Maike Lambrecht (Leibniz University of Hanover)H-Index: 3
#2Matthias Rürup (University of Wuppertal)H-Index: 5
Politik - und insbesondere Bildungspolitik - scheint zurzeit ohne Datengrundlage kaum machbar. Spatestens seit PISA gilt, dass gute Bildungspolitik „evidenzbasiert“ sein muss (Heinrich 2010). Der Grundgedanke einer evidence based policy ist, dass politische Entscheidungen uber wissenschaftliches oder zumindest systematisch produziertes Wissen rationalisiert werden konnen. Bildungspolitik nutzt wissenschaftliche Erkenntnisse zur Fundierung von Entscheidungen und zur inhaltlichen Ausgestaltung ihr...
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#1Johannes BellmannH-Index: 10
#2T Müller (WWU: University of Münster)H-Index: 8
Im Kontext Neuer Steuerung hat sich insbesondere im englischsprachigen Raum das Paradigma einer evidenzbasierten Padagogik etabliert. Unter dem Motto „What works“ verspricht es, ein experimentell gesichertes und generalisierbares Wissen uber die Wirksamkeit padagogischer Technologien und bildungspolitischer Masnahmen hervorzubringen. Evidenzbasierte Padagogik zielt auf ein Wissen, was wirkt, und unterstellt damit nicht nur ein bestimmtes Wissen uber kausale Zusammenhange in der sozialen Welt, so...
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#1Johannes BellmannH-Index: 10
#2T MüllerH-Index: 8
40 CitationsSource
#1Herbert AltrichterH-Index: 25
In den deutschsprachigen Schulsystemen werden Elemente eines ,neuen Steuerungsmodells’ − beispielsweise Bildungsstandards, Schulinspektionen oder Selbstevaluation − implementiert. Die Innovationen werden in diesem durchgehend aktualisierten Handbuch einer systematischen Analyse unterzogen. Damit bietet das Handbuch einen differenzierten Uberblick uber Prozesse und Wirkungen einer erneuerten schulischen Governance. Die Ergebnisse machen unterschiedliche theoretische, forschungsstrategische und me...
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#1Yvonne BrücknerH-Index: 1
#2Mareike TarazonaH-Index: 3
Die Sicherung der Leistungsfahigkeit und Effizienz offentlicher Bereiche ist eine verantwortungsvolle und gleichermasen herausfordernde Aufgabe. Dies gilt fur das Schulsystem als Kern des Bildungssystems angesichts dessen zentraler gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung in besonderem Mase. Das Zusammentreffen neuer Steuerungsansatze im Kontext der New Public Management- Bewegung, die auch im Bildungsbereich Einzug hielt und halt, mit steigenden Anforderungen an das Bildungssystem, hat...
9 CitationsSource
#1Katharina Maag Merki (UZH: University of Zurich)H-Index: 14
In der Steuerung von Bildungssystemen lasst sich in den letzten Jahren nicht nur in den deutschsprachigen Landern, sondern international, eine klare Trendwende hin zu einer starkeren Fokussierung auf die Uberprufung von Bildungsergebnissen der Schuler/innen mit einer gleichzeitigen Starkung der schulischen Autonomie feststellen (Altrichter & Heinrich 2007; Burkard & Eikenbusch 2002; Fend 2005). Die Entwicklung und Implementation von Bildungsstandards, die Einfuhrung von standardbezogenen Lernsta...
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Cited By4
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#1Marcus EmmerichH-Index: 5
#2Tobias FeldhoffH-Index: 4
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#1Annett Adler (University of Marburg)H-Index: 2
#2Susanne Maria WeberH-Index: 16
Programatics and semantics are analyzed in different theoretical traditions, each of them offering fruitful perspectives for organizational education. Neo-institutionalism, systems theory as well as post-structural approaches analyze the relations between knowledge, language and meaning in their specific theoretical set and use of the terms programatics and semantics. This article explores the specific use of these terms in three theory sets and analyzes the potentials for organizational educati...
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#1Susanne Maria WeberH-Index: 16
The article discusses theoretical perspectives on innovation management and presents an organizational education perspective on it. A dialogical, explorative, future oriented creation in multi-stakeholder-settings becomes the model for complexity oriented strategies and for cross sector innovation. As theoretical connections, empirical studies and methodical conceptualizations show, design based societal and social innovation strategies follow the mode of open innovation and have to address rati...
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